From the known to the unknown
...lautet der Untertitel der dritten Produktion der luxemburgischen barocken Grunge-Rock-Formation Kitshickers. „Armée de l’air“ heisst das Werk mit dem Luxemburgs rockende Extravaganz beweisst dass sie nichts dem Zufall überlässt.
Es gibt sie also doch noch: Musiker die sich die Mühe machen sich ein Konzept für ihre Klanggebilde zurechtzudenken, und sei es dem unbescholtenen Hörer noch so unzugänglich. Leicht verdaulich und MTV-kompatibel sind die Arbeiten der Kitshickers noch nie gewesen, und das neue Werk bekräftigt diese Entwicklung rücksichtslos. Ihre Musik könnte man wohl als melancholisch-experimenteller Weird-Psychedelic-Grunge bezeichnen, aber so ganz hat man es dann immer noch nicht getroffen, denn innerhalb ihrer Kompositionen lassen sich alle möglichen Stilrichtungen erkennen. Die Kitshickers sind dir Meister der Verfremdung und konzeptuellen Vernetzung. So scheint es, als ob vom (spacigen) Artwork der Platten bis hin zu der Songauswahl nichts dem Zufall überlassen wird. Alles hängt hier zusammen, ist wohl durchdacht und teil eines Gesamtkonzepts, das scheinbar über die einzelnen Alben hinausgeht.
„L’armée de l’air“ ist dafür ein weiterer Beweis. Nachlesen kann man die Lyrics auf http://fly.to/kitshickers.
Erschienen ist „L’armée de l’air“ auf dem noch jungen Luxemburger Label Winged Skull. Neben dem „Last Millenium Suckers“-Mitglied Giordano, ist Gilles Heinisch, Sänger und Gitarrist der Kitshickers, die treibende Kraft hinter Winged Skull.
Er scheint also neben seiner Tätigkeit für die Kulturfabrik und für das Label noch genügend Zeit aufbringen zu können, um den Kitshickers-Song den letzten Schliff zu verleihen.
„From the known to the unknown“ führt ihre komplexe Reise durch die Musikwelt, geprägt von Punk-, Grunge- und Independant-Versatzstücken, die allesamt in eine mystische Verbindung zueinander treten. Entdecken lässt sich auf der Scheibe so einiges : vom schleppend kreischenden Gitarrenriff (wie Frank Black auf Meskalin), bis hin zu knappen Zwei-Töne-Einlage, die rasch durch Samples unterbrochen wird. Zerrissen wir das Ganze sporadisch von minimalen Lyrikfetzen, die von einen manchmal aufwühlend monotonen Gesang geprägt sind. Dabei entsteht ein interessanter Kontrast zwischen vielschichtigen Klangwelten, komplex arrangierten Songs und minimalistisch-intimistischen Riffs. Das Einsetzen von winzigen Textpassagen verdeutlicht die momentane Konzeption : das Reduzieren auf das Wesentliche. Und das ist bei den Kitshickers nun mal die Musik.
Beachtenswert sind des Weiteren die häufig verwendeten, meistens aus alten Filmen stammenden Samples. Von einem genialen Bushsample („Some people without brains do an awful lot of talking&ldquo
bis hin zu einem überdimensionalen Kraftwort-Duell wie in dem Song “Roquefort”.
Die Musik der Band ist allerdings eine sehr verschlossene, und so findet nicht jeder leicht Zugang zu ihr.
Zu empfehlen wäre ein einfaches Zurücklehnen und Aufsichwirkenlassen, um sich Eintritt in diese bizarre Klanggalaxie zu verschaffen. Eingängige Hits zu schreiben überlassen die Kitshickers anderen Acts.
Von MACK – Tageblatt – 24.09.03